Jöriseen mit Iris, Chaid, Tjorven und Sable

Samstag, 13.07.13

Iris und ich haben es endlich mal geschafft, einen gemeinsamen Wandertermin zu finden. Das Wetter ist bestens für’s Wochenende.
Gestern abend ist Iris gegen 0.30 Uhr bei uns eingetroffen. Sie war wohl um 20.20 Uhr zu Hause in Freiburg losgefahren. Baustellen, Umleitungen und viel Verkehr forderten ihren Tribut. Zudem war die Zielfindung „Baitenhausen“ im Dunkeln wohl schwierig (Nachtblindheit). Aber schliesslich kam sie doch an. Chaid wurde erstmal in Taiga’s Reich im Stall plaziert. Geschlafen haben die beiden dann im Wohnzimmer.

Heute, Samstag, frühstücken wir zusammen, dann laufen wir mit Chaid, Sable, Tjorven und Taiga. Die Girls finden Chaid echt cool. Sie haben kein Problem mit ihm und wollen spielen. Marco läuft mit Taiga noch eine Waldrunde, wir kehren um und stecken die 3 Tourenhunde in den Stallbereich. Sable hat etwas 2/3 der Körpergrösse von Chaid. Dort können sie sich weiter kennenlernen. Funktioniert gut.

Iris und ich packen unsere Sachen. Iris bekommt von mir einen grossen Rucksack, Schlafsack, Isomatte und diverse Kleinigkeiten. Marco hilft nach seiner Rückkehr. Ich glaube er würde gerne mitkommen, aber wegen Tschukis bleibt er zu Hause. Sie humpelt gerade extrem. Nach dem Packen gehen wir noch schnell einkaufen.

Um 14 Uhr starten wir. Zielmöglichkeiten sind Silvretta und Flüelapass. Wir entscheiden uns für den Flüelapass und die Jöriseen. In 2 h 15 min. sind wir am Flüelapass (183 km), Temperatur 18°C am Wägerhus auf 2207 m. Im Rheintal waren’s 28°C, also 10°C kälter. Allerdings liegt doch noch mehr Schnee wie ich erwartet hatte.

Rödeln alles zusammen, die Hundis kriegen ihre Rucksäckle auf und um 16.40 Uhr geht’s los. Kurz nach dem Start kommt uns ein Fischer in Sandalen entgegen. Ich frage ihn nach den Schneeverhältnissen. Er meint, es sei noch sehr viel Schnee oben und der Weg könnte sehr mühsam werden. Na, dann schauen wir mal. Ein schöner Wind mildert die Hitze etwas, aber die Hundis nützen jeden kleinen Bach zum Trinken und zum Erfrischen. Chaid legt sich gerne in tiefere Becken rein und rollt von einer Seite auf die andere. Wir gewinnen gut an Höhe. Es sind noch nicht viele Blumen da. Als wir den Zeltplatzbereich erreichen, ca. 1 h vom Auto entfernt, kommen immer mehr Schneefelder. Überall läuft das Tauwasser in kleinen und grösseren Bächen den Berg hinunter. Die aperen Flächen sind von Soldanellen lila übersät. Sieht sehr schön aus. Ein ganz neuer Eindruck hier oben. Soldanellen blühen direkt nach der Schneeschmelze, oder brechen sogar schon durch die dünner werdende Schneedecke. Die Schneesituation ist komplett anders wie letztes Jahr. Letztes Jahr war ich etwa 2 Wochen später hier. Schnee war kein Thema mehr und es blüten überall kleine Margeriten. Das dauert jetzt wohl noch etwas.

Da der Schnee schnell zunimmt, suchen wir uns ein Zeltplätzchen. Unterhalb ist ein schöner kleiner See. Das Gebiet um’s Flüela Schwarhorn ist auch noch sehr weiss. Könnte durchaus noch für Skitouren reichen. Unser Zeltplatz liegt nah am Wanderweg, nicht so ideal. Wir müssen morgen mit hochkommenden Hunden aufpassen. Die Leute werden unser Zelt erst spät sehen und die Hunde gar nicht. Und wir sehen auch nicht, wenn jemand kommt. Ein grosser Fels dient als Stake-out-Anker. Ich wickle eine 3 mm-Reepschnur 2x um den Fels und hänge die Stake-out-Leinen ein. Aber den Abend über sind die Hunde frei. Sie geniessen sichtlich die kühleren Temperaturen und spielen auf dem angrenzenden grossen Schneefeld. Tjorven und Sable sind von Chaid sehr angetan, ein toller Typ. Er wird von beiden immer wieder angebaggert und baggert dann natürlich zürück, was den Damen dann aber wieder zuviel ist und mit Knurren quittiert wird. Wir sind hier auf ca. 2600 m und ein steifer Wind macht’s eher kühl. Das Thermometer zeigt 8°C. Iris fotographiert wie eine Wilde. Ich verankere das Zelt (Nallo 4GT) erstmal mit 2 Heringen, damit es nicht weg fliegt und baue es dann auf. Freue mich schon auf die windgeschützte Apsis. Inzwischen drückt’s auch einige Wolken herum. Die Sonne verschwindet hin und wieder hinter den Wolken. Aber wenn sie scheint überflutet sie die Landschaft mit einem herrlichen Abendlicht. Die lila Flächen leuchten im Gegenlicht. Nach dem Zeltaufbau hole ich Wasser, dann wird die Küche aufgebaut. Iris hält alles fotographisch fest. Nachdem alles steht, verziehen wir uns in die Apsis und kochen Nudeln mit Kräuterbutter und Käse. Iris hat inzwischen Wachsfigurenkabinett-Finger und kann kaum noch etwas machen. Meinem Ratschlag, eine Mütze mitzunehmen, ist sie nicht nachgekommen, da eine blonde Mähnenmatte ihren Kopf bedeckt. Aber jetzt scheint sie doch zu frieren. Nun, da muss sie jetzt durch. Das Essen schmeckt echt gut. Dazu gibt’s den Wolfenweiler Wein, den Iris unbedingt mit hochschleppen wollte. Schmeckt saugut. Nach dem Essen wickelt sich Iris in ihren Schlafsack. Ich gehe wieder hinaus. Inzwischen hängt eine Wolkendecke an den Bergen. Im Westen steht eine schöne Mondsichel am Himmel und spiegelt sich in dem kleinen See, sehr romantisch. In der Dämmerung drehen wir noch eine Hunderunde.

Dann werden die Betten hergerichtet. Ich schlafe mit Tjorven und Sable im Innenzelt, Iris liegt quer vor dem Eingang in der Apsis mit Chaid. Damit Chaid nicht auf die Idee kommt, sich unter dem Aussenzelt durchzuwühlen, haben wir in der Apsis alles mit den Rucksäcken und Packtaschen abgedichtet. Hoffentlich hilft’s. Chaid bettet seinen riesigen Malamutenschädel auf den Proviantsack. Na, hoffentlich ist das Frühstück morgen noch da.

Sonntag, 14.07.13

Tjorven schiebt um 5.30 Uhr Stress. Wahrscheinlich muss sie mal raus. Chaid findet unser Aufwachen auch gut und möchte durch die geschlossene Innenzelttür hereinkommen. Iris muss ihn erstmal zur Ordnung rufen. Iris ist nicht dazu zu bewegen aufzustehen. Sie hat wohl nicht gut geschlafen, da es ihr lange kalt war. Tja, eine Mütze wäre schon gut, oder den Kopf wenigstens in die Schlafsackkapuze stecken. Also ziehe ich mich an und klettere mit den 3 Tölen über Iris hinweg ins Freie. Als ich das Aussenzelt zurückschlage, blättert mir Eis entgegen. Es hat über Nacht gefroren. Der Boden draussen ist weiss und die kleineren Bächle sind auch gefroren. Das angrenzende Schneefeld ist bockelhart. Ich scanne erstmal die Gegend nach Wild ab. Chaid und Sable halte ich an der Leine. Die Sonne bescheint schon die gegenüberliegenden Berge. Eigentlich könnte man jetzt schon losrödeln. Versuche Iris zu überzeugen, aber sie meint es sei Sonntag und geht gar nicht. Die Hundis wollen auch eher die Kälte geniessen. Wir haben 0°C. Aber da Iris stur bleibt, verfrachte ich die Hunde gegen ihren Willen wieder ins Zelt. Setze mir 7 Uhr als Aufstehzeit. Also noch eine 1 Stunde dösen. Tjorven maltretiert dauernd Iris. So wird sie wenigstens langsam wach. Chaid liegt jetzt ganz zufrieden zwischen uns im Innenzelt. Sable liegt in der Apsis und hat sich friedlich zusammengerollt. Um 7 Uhr ist aber endgültig Aufstehen angesagt. Iris tut sich mit den Temperaturverhältnissen etwas schwer. Gewöhnungssache. Die Sonne ist schon unten beim Seechen angekommen. Dauert also nicht mehr lange. Wir füttern die Hunde. Chaid kriegt Pemmikan und getrockneten Lachs. Sable und Tjorven kriegen davon auch was ab. Dann kommt unser Frühstück. Inzwischen bescheint uns die Sonne und es wird angenehm. Iris hat Schilddrüsenunterfunktion und friert daher auch schneller. Aber so langsam taut auch sie auf. Die Hundis sind wieder frei. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll. Nach dem Frühstück ziehe ich los zum Spülen und Waschen. Denke noch, es wird jetzt wohl kein Hund vorbeikommen. Tja, als ich auf dem Rückweg zum Zelt bin, sehe ich Chaid kraftvoll davon spurten. Das sieht nicht gut aus. Allerdings reagiert Iris überhaupt nicht. Oder doch? Ja, jetzt hat sie das Geschehen wahrgenommen. Sie rennt auch los und winkt mir hektisch. Oh Gott, so ein Scheiss. Ich hechte die letzten Meter über das Schneefeld, lasse alles fliegen und renne zum Weg. Dort steht ein junges Paar und schreit unsere Hunde an. Aber ihr Hund ist schon wieder von ihnen befreit. Sie sind ganz aufgeregt und verlangen unsere Adresse. Iris bleibt ganz ruhig und erzählt dauernd was von Arnika. Wir bringen unsere Hunde zum Stake-out und ich hole meinen Apothekenbeutel. Der Hund von dem jungen Paar hat am Hinterbein ein Loch. Seine Besitzer flössen ihm Arnika-Globuli ein und Rescue-Tropfen gegen den Schock bekommt er auch noch. Der Rüde ist völlig neben der Kappe, verständlicherweise. Die Besitzer beruhigen sich langsam. Er entschuldigt sich sogar noch. Aber ich meine, das war unsere Schuld, wir hätten die Hunde gar nicht frei haben dürfen. Mit Calendula desinfizieren wir noch die Wunde. Dann ziehen die 3 weiter. Hoffentlich geht’s gut und Hundi erholt sich bald wieder.

Nach diesem unerfreulichen Zwischenfall sind die Hunde fest. Wir rödeln alles fertig für den Aufbruch. Um 9.30 kommen wir los. Bis zum Joch hoch ist es ½ Stunde. Weiter oben ist alles noch voll Schnee. Wir laufen querfeldein zum oberen Jochweg. Am Joch selber ist auch noch eine grosse Wächte. Hah, und die Seen sind noch fast zugefroren. So was, hätte ich also wirklich nicht gedacht. Auf der Abstiegsroute zu den Seen und um die Seen herum liegt noch sehr viel Schnee. Es schauen nur kleine apere Wieseninseln heraus. Auf einer Landzunge am ersten grossen See stehen auch 3 Zelte, die gerade abgebaut werden. Bin ich froh, daß wir unterhalb vom Joch gezeltet haben. Die Seen liegen echt noch im Winterschlaf. Jetzt erkenne ich auch, daß der Flüelapass-See auch noch teilweise Eis hat. Ich betrachte mir den Weiterweg, der immer wieder über steile ausgesetzte Schneestellen führt. Habe kein gutes Gefühl und wir beschliessen hier oben zu bleiben und einfach die Aussicht zu geniessen. Zudem kommen die Seefarben mit dem Eis gar nicht zur Geltung. Nur die Seeränder sind aufgetaut, aber durch das Fernglas kann ich erkennen, daß von der Nacht her wieder eine dünne Eisschicht da ist. Das kann ja noch dauern, bis hier alles schneefrei und offen ist. Sicher noch 2-3 Wochen. Wahnsinn.

Es kommen immer wieder Leute hoch. Ein junger Mann war auch letztes Jahr um diese Zeit hier und wundert sich auch sehr über die Schneesituation. Tja, kann man nichts machen. Iris gerät wieder in einen Fotographierrausch. Per Fernglas kann ich das junge Pärchen und ihren Hund erkennen. Hundi spurtet durch die Gegend, es scheint ihm wieder gut zu gehen. Nach 2 h Schauen und Geniessen treten wir den Rückweg zum Zelt an. Da wir noch kein See-Erlebnis hatten laufen wir zu unserem kleinen See runter. Superschön dort, das Flüela Schwarzhorn thront über dem See. Bei Windstille spiegelt es sich darin. Ein super Zeltplätzle wäre direkt am See neben dem Zufluss. Wir geniessen den Frieden, das dahin plätschernde Wasser und die Sonne. Die Hundis baden mehr oder weniger, Tjorven dreht einige Schwimmrunden. Ich vertiefe mich noch mit der Kamera in die Soldanellen. 2 andere Wanderer baden kurz im See unter Gejauchze. Nach einiger Zeit gehen wir wieder zum Zelt hoch und kochen noch Tee. Dann müssen wir leider zusammenpacken. Es weht wieder ein strammer Wind. Die Zeltplane macht sich selbstständig und fliegt durch die Gegend. Iris fängt sie wieder ein. Um 16 Uhr setzen wir uns Richtung Auto in Bewegung. Chaid ist angeleint, aber Tjorven und Sable wackeln frei hinter mir her mit ihren Rucksäckchen. Sieht superschön aus, wie sie im Gänsemarsch daherkommen. In 1 Stunde sind wir wieder unten am Auto. Ich bin ganz stolz auf die beiden Nasen. Hat super funktioniert.

Let’s come back, Jöriseen die 3.